[Piglet] Die Klassiker, Die Klassiker

August 15, 2015

Hallo ihr lieben Lesehamster,

Heute geht es mal um ein recht brisantes Thema. In wunderbar, regelmäßigen Abständen entbrennen immer wieder Diskussionen darüber, dass die Jugend von heute ja viel zu wenig, also eigentlich gar keine, Klassiker liest, sondern stattdessen nur die Nase in Zeitschriften oder "Niveaulose" Bücher steckt. Zwar zähle ich mit meinem "hohen" Alter nicht mehr zu der Jugend von heute, aber dennoch fühle ich mich bei solchen trivial ausgesprochenen Phrasen angegriffen. Daher möchte ich das Thema hier kurz aufgreifen und darauf eingehen.

Harry Potter - Bildquelle: dramaturgia.de

Wieso ich mich angesprochen fühle? Ich  gehöre zur jüngsten Lesergeneration, nämlich zu der Generation die mit Harry Potter, und somit zur allerersten gehypten Buchreihe für Jugendliche gehört. Vor den 1990er Jahren gab es ein solches Phänomen in dem Ausmaß nicht, und seit dieser Zeit hat sich auch der Umgang mit Jugendbücher stark verändert. Dieses Genre, welches heute fast gar nicht mehr wegzudenken ist, gab es damals nur in kleinem Ausmaß. Die meisten Bücher waren entweder für wirklich junge Leser gedacht (man denke an Autoren wie Thomas Brezina im deutschsprachigen Raum) oder scheinbare endlose Reihen (wie Boyz'n'Girls, Fear Street) für Jugendliche die mal zum Buch greifen.Dank des angesprochenen Hypes und der Möglichkeiten des digitalen Zeitalters hat sich das Blatt nun gewendet. Meine, und die nachfolgenden Generationen, haben das Lesen für sich entdeckt, in einem Umfang wie man es kaum ahnen konnte. Es wird nämlich nicht nur wieder mehr gelesen, sondern auch kritisch mit dem gelesenen umgegangen, ein Umstand der auch mittlerweile vom Verlagswesen erkannt und begrüßt wird.

Doch wie immer, gibt es auch eine Kehrseite dieses Effekts, denn da werden die Stimmen der "alteingesessenen" Leserschaft laut, die Jugend würde ja gar keine Klassiker mehr lesen. Sie kennen weder Effi Briest, noch Kabale und Liebe oder gar die Buddenbrooks. Für die meisten Jugendlichen mag das stimmen, sie kennen nur die grobe Geschichte, aber haben es selbst nicht gelesen. Viel wichtiger ist die Frage: Wieso sollte man diese Bücher gelesen haben, und andere nicht? Was macht den einen Klassiker aus? Wer sagt nicht, dass in einigen Jahren die Reihe rund um den Zauberlehrling als Klassiker gelten wird und in der Schule Einzug hält? Wieso sollten Geschichten von heute weniger wert sein als Geschichten die früher geschrieben wurden? 

Johann Wolfgang von Goethe - Bildquelle: wikipedia.de

An dieser Stelle möchte ich gern ein Gedankenkarusell anstoßen. Was wäre, wenn Schiller, Goethe und Mann zu unserer heutigen Zeit leben würden? Glaubt ihr sie würden immer noch die selben Geschichten schreiben? Oder würden sie ihre geniale Autorenschaft für andere Genre und Geschichten hergeben? Ich denke Ja, denn die Autoren von damals sind Geschöpfe ihrer Zeit, und ihre Werke repräsentieren das Leben aus ihrer Zeit, genau das selbe, machen die meisten Bücher der heutigen Generation, mal abgesehen von den Dystopien und Sci-Fi-Romanen, aber selbst diese gab es bereits früher, man denke nur an 1984 oder Der Herr der Ringe. Also angenommen Goethe würde heute leben, inklusive seines schon damals sehr starkem Lebensstil, er würde keine Werke wie Faust oder Prometheus schreiben. In meinem Kopf wäre er eher ein begabter Peotry-Slammer der außerdem ganz wundervolle Fantasy-Geschichten schreibt, denn genau das war er schon damals! Natürlich werden hier wieder Stimmen laut, die behaupten ich wäre vermessen und dies wäre totaler Unsinn. Doch zum Glück gibt es die Meinungsfreiheit, und wer sich aktuell mit dem Peotry-Slammen auseinander setzt der wird hier die Parallelen feststellen.

 Wieso also immer auf Klassikern Rumreiten, wenn doch die meisten Leute, die diesen typischen Satz "Lest mehr Klassiker" bisher nur wenige oder gar keine neuen Romane gelesen habe. Denn viele der Themen von damals finden auch heute noch Zugang in die Literaturwelt und somit in die Köpfe der Menschen. Es bleibt also die selbe Moral, die selbe Geschichte, nur eben anders erzählt mit einer für heute einfacheren Sprache. Man sollte sich also vorurteilsfrei gegenüber den jüngeren Lesern verhalten, wenn man selbst nichts neues gelesen hat.

Schlussendlich ist es wichtig, das man liest, dabei ist egal ob es Thomas Mann, Goerge Orwell, Ursula Poznanski oder Kerstin Gier ist, Hauptsache die Worte zaubern eine neue Welt in unsere Köpfe! Genau darum geht es letztendlich beim Lesen, um das Loslassen und Wegschweben!




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4 Kommentare

  1. Mit dem letzten Satz hast du wirklich total Recht! Ich finde es wirklich traurig, wenn Jugendbücher, die durchaus tiefer gehen können, von Erwachsenen bemängelt werden, die selber kaum lesen...

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  2. Huhu liebste Sandra ♥

    Ich kann dir absolut nur zustimmen. Bei mir reagieren alle, insbesondere Erwachsene, immer sehr positiv wenn sie hören das ich viel lese. Auch wenn sie erfahren das ich vor allem Jugend- und Fantasybücher lese ändert sich daran nichts. Eltern meinen dann oft, dass sie wünschten das ihr Sohn/ihre Tochter auch mehr liest. (:

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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  3. Danke, dass du deine Gedanken einfach mal rausgelassen hast :)
    Du hast es absolut auf den Punkt gebracht und ich sehe es hundert prozentig genauso.
    Mich ärgert es ehrlich gesagt auch, dass immer gesagt wird, wer keinen Klassiker gelesen hat, der hat keine Ahnung usw.
    Liebe Grüße!
    Nadine♥

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  4. Huhu :)
    Oh du hast sowas von Recht!
    Ich gehöre dann auch in die Harry Potter Generation und ich möchte die Bücher auch gar nicht missen.
    Natürlich gehören auch Klassiker wie Mann, Goehte, Fontane gelesen aber das decken schon die meisten Schulen ab und privat kann doch jeder lesen was er möchte und sein wir uns mal ehrlich HP ist doch auch schon ein Klassiker :P
    Liebe Grüße
    Janine

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